Der Klimawandel wartet nicht – doch die Politik in den USA zeigt seit Jahren eine enorme Inkonstanz. Neue ökonomische Forschung macht deutlich: Für den Erfolg der Energiewende sind nicht nur Solar, Wind & Co. relevant, sondern auch Speichertechnologien; und politische Richtungswechsel wirken sich massiv auf Innovation und Emissionsentwicklung aus.
Das Paper «Charging the Transition: Energy Storage Innovation and Climate Policy» von Maria Alsina-Pujols von der ETH Zürich analysiert folgende Fragen:
- Können begrenzte Speichertechnologien und -kapazitäten die Energiewende auch bei strenger Klimapolitik behindern?
- Wie wirkt sich die Abhängigkeit von Speichern auf die Effizienz dieser Politik aus?
- Wie verändert die Speicherung die Substituierbarkeit zwischen erneuerbaren Energien und fossilen Brennstoffen?
- Reichen aktuelle und zukünftige Klimapolitiken aus, um die Umweltziele zu erreichen?
Wir werfen zudem einen Blick auf die US-Politik zu Energiethemen unter Obama, Trump und Biden.
Politischer Zeitraffer: Obama → Trump (1) → Biden → Trump (2)
| Periode | Klima- / Energiepolitik | Unterstützung für Erneuerbare vs. Speicher | Charakteristische Merkmale |
| Obama (2009‑2016) | Starke Förderung erneuerbarer Energien, Clean Power Plan, Recovery Programme | Erneuerbaren im Vordergrund; Speicher weniger strategisch im Fokus | Förderung in Erneuerbare; Speicher als «Nice-to-have», weniger als Schlüssel |
| Trump 1. Amtszeit (2017‑2020) | Rücknahme vieler Umweltschutzvorschriften; Förderung fossiler Energien; Klimaregime schwächen | Erneuerbare oft benachteiligt, Speichertechnologien kaum zentral gefördert | Deutlicher Rollback; Signalwirkung: wenn Politik nicht dauerhaft geschützt ist, sinkt Private Investment |
| Biden (2021‑2025) | Inflation Reduction Act (IRA), massive Subventionen, ambitioniertere Emissionsziele, internationale Rückkopplung (z. B. Rückkehr zum Pariser Abkommen) | Speichertechnologien erstmals systematisch mitgedacht; staatliche Förderung steigt | Hoffnung auf Beschleunigung; Innovation soll sich auf Speicher + Erneuerbare gleichzeitig stützen; Modell zeigt: noch nicht genug, um Ziele sicher zu erreichen |
| Trump 2. Amtszeit (2025-2028) | Nach seiner Wahl im November 2024 und der Amtsübernahme im Januar 2025 Rückkehr zu stärker fossiler Orientierung; viele von Bidens Executive Orders aufgehoben. | Gefahr, dass Speicherförderung rückläufig wird, regulatorische Unsicherheit nimmt zu | Rückkehr zur fossilen Förderung droht Innovation in Speichertechnologien zu bremsen – mit gleichzeitigem Risiko für Erneuerbare |
Was misst das Modell der Arbeit – und warum Speicher so wichtig sind
Die Autoren verwenden ein dynamisches makroökonomisches Modell mit endogener technologischer Entwicklung, das auf einem bekannten Grundmodell von Acemoglu et al. (2012) basiert, aber erweitert wurde:
- Endogene Innovation: Unternehmen investieren in Forschung für fossile, erneuerbare oder Speichertechnologien. Die Entscheidung hängt von erwarteten Renditen ab.
- Komplementarität: Erneuerbare benötigen Speicher, um produktiv zu sein. Diese Kopplung wird explizit modelliert.
- Klimapolitik-Simulationen: Das Modell vergleicht verschiedene Politikszenarien (z. B. mit oder ohne Inflation Reduction Act) und simuliert deren Wirkung auf Emissionen, Innovationen und Kosten.
- Substituierbarkeit: Die Fähigkeit, fossile Energien durch erneuerbare zu ersetzen, hängt vom Stand der Speichertechnologie ab.
Gemessen wird u. a.:
- Innovationsraten in den drei Technologiebereichen.
- Investitionen in F&E.
- CO₂-Emissionen über Zeit.
- Kosten und Nutzen verschiedener Politikmassnahmen.
- Langfristige Marktdynamiken je nach Technologiepfad.
Wie werden Klimaschäden im Modell abgebildet?
Die Autoren integrieren eine sogenannte Damage Function in die Nutzenfunktion der Haushalte:
- Die Umweltqualität hängt vom CO₂-Gehalt in der Atmosphäre ab, insbesondere vom kumulierten Emissionsstand seit der Industrialisierung.
- Klimaschäden wirken sich auf den Nutzen aus Konsum aus, indem ein Schadensfaktor eingeführt wird, der den verfügbaren Konsum reduziert. Je höher die Emissionen, desto kleiner, d. h. grössere Klimaschäden → geringerer Konsumnutzen.
- Es wird auch ein Worst-Case-Szenario («Tipping Point») berücksichtigt: Wird eine kritische Konzentration überschritten, kollabiert auf 0, d. h. der Konsumwert bricht vollständig ein – ein modelliertes Klimadesaster.
Wirtschaftliche und politische Auswirkungen
Das Modell zeigt auch, dass:
- In Szenarien mit träg verlaufender Energiewende (z. B. unter derzeitiger IRA-Politik) die Verminderung von Emissionen zu langsam verläuft, um Klimaschäden entscheidend zu vermeiden.
- In solchen Szenarien ist der Wohlfahrtsverlust aus Klimaschäden grösser als die Kosten der politischen Massnahmen, die man zur schnelleren Energiewende bräuchte.
- Daher sind ambitioniertere Politiken (z. B. mehr Förderung für Speicher + Erneuerbare) nicht nur klimapolitisch, sondern auch ökonomisch effizienter.
Was sagt das Modell konkret über Speicher & politische Unbeständigkeit?
Einige zentrale Ergebnisse der Studie:
- Speicher sind kein Nebendarsteller, sondern Kerntechnologie: Ohne Fortschritte bei der Speichertechnologie kann die volle Wirkung von Erneuerbaren nicht gehebelt werden. Je schlechter Speicher, desto weniger Substituierbarkeit fossiler Energie.
- Politische Inkonstanz wirkt wie Bremsklotz: Wenn Regierungen Förderprogramme zurücknehmen oder gering fördern (z. B. Trump 1., drohend auch Trump 2.), dann sinkt die erwartete Rentabilität von Innovation in Erneuerbaren + Speicher. Unternehmen reduzieren F&E – was zu einer Trägheit führt.
- Ambition vorhandener Politiken reicht aktuell noch nicht: Selbst der Inflation Reduction Act in Bidens Amtszeit wird im Modell als zu schwach eingestuft, wenn es darum geht, internationale Ziele wie jene auf der COP-Treffens zu erfüllen. Die Modellrechnung zeigt: Für das Erreichen von solchen Zielen bräuchte es eine etwa 2.3-fache Intensivierung der Förderung – insbesondere auch Speicher betreffend.
- Klimaschäden durch Trägheit steigen stark: Verzögerungen in Entwicklung & Implementierung führen zu höheren Emissionen, stärkeren Umweltbelastungen und grösseren Konsumverlusten später. Und: je länger Speichertechnologien mit niedriger Produktivität bleiben, desto grösser ist der Schaden, weil sie Erneuerbare in ihrem Wachstum hemmen.

Die Rückkehr Trumps ab 2025: Welche Konsequenzen?
Nun ist Donald Trump wieder Präsident (ab Januar 2025). Diese Rückkehr hat mehrere konkrete Implikationen im Licht der Modellbefunde:
- Viele von Bidens Massnahmen wurden durch Executive Orders umgesetzt – die sind anfällig für Widerruf durch nachfolgende Präsidenten. Tatsächlich wurden schon eine Reihe von Bidens Executive Orders zurückgenommen.
- Regulatorische Klarheit und Planungssicherheit sinken, was Investitionen in Speicher- und Erneuerbaren‑Technologien unattraktiver macht.
- Es besteht die Gefahr, dass die Förderung für Speichertechnologien zurückgefahren wird, was das Modell als besonders riskant darstellt – da Speicher nicht nur technologischem Fortschritt, sondern auch dem Substitutionsgrad von fossilen Energien massgeblich beeinflusst.
Fazit & Empfehlung: Was muss passieren?
- Speichertechnologien sollten zentraler Bestandteil jeder Klimapolitik sein – nicht als Randthema. Die analysierte Arbeit zeigt, dass ohne Speicher Fortschritte bei den Erneuerbaren ineffizient bleiben.
- Politische Kontinuität und Planungssicherheit sind essenziell: Gesetze statt allein Executive Orders, stabile Förderprogramme, klare Ziele über mehrere Amtszeiten hinweg.
- Aktuell, mit Trumps Rückkehr ab 2025, besteht erheblicher Handlungsbedarf, damit Innovationen, die unter Biden angestossen wurden, nicht verloren gehen.
- Internationale Vergleiche zeigen: Europa und China haben klare Vorteile durch relative politische Stabilität und strategische Priorisierung – die USA müssen Wege finden, diese Lücke zu schliessen.
Trotz Trump? Warum viele den weiteren Aufstieg der Erneuerbaren erwarten – und was dagegen spricht
Die Rückkehr Donald Trumps ins Weisse Haus hat international Besorgnis ausgelöst – insbesondere bei Klimaexpert:innen, Investor:innen und politischen Partnern. Doch gleichzeitig betonen viele Beobachter, dass der Aufstieg der erneuerbaren Energien kaum noch aufzuhalten sei – selbst unter einer klimafeindlicheren US-Regierung.
Gründe für einen weiteren Aufstieg – trotz politischer Blockade:
Marktkräfte & Wirtschaftlichkeit
- Solar- und Windkraft sind heute in vielen Regionen die kostengünstigsten Energiequellen.
- Die Levelized Cost of Energy (LCOE) für neue PV- und Windanlagen liegt oft unterhalb der von Kohle oder Gas – auch ohne Subventionen.
Private Investitionen und globaler Wettbewerb
- Viele grosse Unternehmen (z. B. Amazon, Apple, Google) verfolgen eigene Net-Zero-Ziele und investieren in grüne Energie.
- Internationale Märkte, z. B. die EU, verlangen zunehmend grüne Lieferketten – das erzeugt Druck auf US-Unternehmen, unabhängig von der Regierungspolitik.
Bundesstaaten und Städte als Gegengewicht
- Kalifornien, New York, Massachusetts u. v. m. treiben eigene Klimaziele voran.
- Lokale Gesetze und Programme wirken der Bundespolitik entgegen – ein dezentraler Klimaschutz entsteht.
Dynamik der Speicher- und Batterietechnik
- Die Speicherbranche boomt, z. B. durch E-Mobilität (Batterien), Netzspeicher oder Wasserstoff.
- Selbst konservative Investoren sehen hier Wachstumspotenziale, unabhängig vom Weissen Haus.
Gründe zur Vorsicht – warum Trump trotzdem zum Risiko wird:
Regulatorische Unsicherheit
- Rücknahme von Steueranreizen, Blockade von Infrastrukturprojekten, Schwächung von Umweltstandards – all das kann Investitionen verzögern oder verteuern.
- Schwächung der internationalen Klimaposition
Ein Rückzug der USA aus globalen Klimakooperationen (z. B. Pariser Abkommen) kann internationale Investitionsströme umlenken – z. B. nach Europa oder Asien.
- Fossile Förderung & verzerrter Wettbewerb
- Wenn fossile Brennstoffe erneut staatlich gefördert werden, kann das den Wettbewerb verzerren und die Substituierbarkeit verlangsamen, wie das auch das Modell in der Studie zeigt.
Signalwirkung für andere
- US-Rückschritte könnten Regierungen und Branchenverbände entmutigen, ihren Kurs zu halten oder zu verschärfen.

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